blanka beirut: gedanken,ideen, wortgestecke und satzbrechungen zum tage aus libanesisch deutscher schriftstellerinnensicht

Donnerstag, 3. April 2008

einsames Fädchen Bitteres

Blanka Beirut fährt Straßenbahn. Ihr Sitznachbar vermengt derart gründlich und mit großen Kaubewegungen und schnarrenden Tönen seinen Mundinhalt, Brötchen und Hack mit Speichel, dass Blanka Beirut spürt, wie ein einsames Fädchen Bitteres, Botschafter aus der Dunkelheit, ihre Innenwände vom Magen aus nach oben kriecht.
Auch allerhand Gespräche hört sie, ohne es zu wollen. Der Gesprächsstoff verhält sich wie ein Furz. Selbst wenn man die ganze Zeit mit einer Papiertüte knistern würde, um sein Geräusch zu übertönen, den Gestank wäre man damit nicht los. Kakerlaken in einer Kölner Wohnung so groß wie Handys. Wie groß? Fragt jemand. So groß wie ein Handy. Da versteckt Blanka die Hände in ihrer Handtasche und weiß nicht warum. Über Türken sagt niemand was. Aber abends fliegt sie durch ein Internetforum, dort wird gehetzt, dass sich die Balken biegen. Doch Blankas Hände rascheln vor Schreck in der Tasche. Hier nimmt niemand ein Blatt vor den Mund und Blanka Beirut liest Dinge und Meinungen. Über Türken und Araber. Alles in einem Aufwasch. Und der wird mit Swiffern gemacht, was um Himmels Willen ist das? Fragt sich Blanka, als die Tanten diskutieren, welcher Swiffer der Bessere ist. Erleichtert erinnert sie sich, dass sie gar nicht weiterlesen muss und bedient die Fluchttaste.

Kommentare:

susa hat gesagt…

Beim Lesen von "ayam,tagebuchstaben" fühlte ich mich unweigerlich in die Straßenbahn neben Blanka Beirut gesetzt, so eindrücklich wirkten die Worte auf mich. Unwohlsein machte sich in mir breit bei der Vorstellung, ungewollt an dem Alltag und den Ansichten anderer teil zu haben.
Ich werde daran erinnert, dass Straßenbahn fahren stets ein Erlebnis, ein Abtauchen in die Tiefen und Abgründe der Gesellschaft ist. Und hier kann sich frau/man nicht so leicht, wie im Internet, der Realität entziehen.

blanka beirut hat gesagt…

des is woa...