blanka beirut: gedanken,ideen, wortgestecke und satzbrechungen zum tage aus libanesisch deutscher schriftstellerinnensicht

Mittwoch, 1. Oktober 2008

flüssiges Rotgewürz

Blanka Beiruts Stadt steht unter Wasser. Die Dachziegel glänzen, wie mit einer Speckschwarte eingerieben. Alle Ideen für den heutigen Worttag rutschen daran runter und tun sich weh. Da hilft nur ein Treffen mit Frau Kairo. Diese empfängt sie mit den Worten: Bin ich eine deutsche Zitrone? Jetzt wo ich schon dreißig Jahre hier lebe? Sie hat schlechte Nachrichten. In ihrer liebsten trockenen Sahara sind Entführer, die sich ein besseres Leben versprechen, wenn sie deutschen Zitronen ausgepresst haben. Stimmt ja, Saft haben sie ja noch! Nur schmeckt der Saft denn sudanesischen Zungen? Mit Blut statt Zitronensaft haben die Jungs ja nicht gerechnet. Oder doch? Blanka Beirut hasst das zeitgenössische moderne flüssige Rotgewürz. Sie nimmt ihren Stift und versucht das Blut in ihrer Handtasche mit dem Regenwasser zu verdünnen, unter dem ihre Stadt heute steht. Die Menge müsste eigentlich reichen. Aber leider ist das eine schmierige Angelegenheit und der Nymphensittich droht Blanka die Serifen aus den Tagebuchstaben abzuknabbern, wenn sie nicht aufhört. Blanka kapituliert und schüttet das Gemisch in die Gosse.

Kommentare:

rln hat gesagt…

Schön, nur dass es Dachziegel und nicht Dachziegeln heißt.

blanka beirut hat gesagt…

recht haste